Ein paar Beispiele
Mehr Mut als Geld
Ein englischsprachiges Magazin in Berlin hatte sehr wenig Budget, um effektiv Anzeigen schalten zu können. Die verkaufte Auflage war einfach zu niedrig und damit die Leserschaft zu gering, um für werbungtreibende Kunden attraktiv zu sein. Wenn kleine Anzeigen schon nicht möglich waren, was dann? Manchmal hilft genau das Gegenteil. Wir hatten festgestellt, dass es einen Ort gab, an dem alle potentiellen Käufer versammelt waren: Am englischsprachigen Filmfestivals. Der Kunde bekam sehr, sehr mutige, aber dafür sehr, sehr günstig produzierte Werbefilme, die sehr, sehr polarisieren. So wurden immer für wenig Geld, oft auch durch Gegengeschäft mit den Festivalbetreibern die Kinospots gezeigt. Im Kinofoyer lagen Probeexemplare des Magazins. Bevor die Besucher rein sind, wurden die Magazine kaum gelesen. Doch als sie nach dem Film wieder raus kamen, waren alle Probeexemplare weg. Die Kinospots haben funktioniert. Die Leserschaft stieg an. Die Anzahl der bezahlten Anzeigen im Magazin ebenfalls. Ein Grundsatz der Profitmarketings hat gewirkt: Wer kein Geld hat, sollte zumindest Mut haben.
Freundliches Hijacking
Was tun, wenn man eine tolle Idee für Golfkleidung hat, die ausgefallen ist, aber kein Geld für ausgefallene Werbung? Wir konnten die aufgeschlossene Pro-Shop-Betreiberin und Designerin überzeugen, ungewöhnliche Maßnahmen für ihre ungewöhnliche Kollektion zu ergreifen. Die Ressourcen für alle Profitmarketing-Maßnahmen hatte sie sofort zur Hand. Alles befand sich in ihrem Pro-Shop. Sie fing an, Golfbälle mit ihrem Logo und der Website der Kollektion zu bedrucken und kostenlos an Kunden des Pro-Shops sowie Freunden und Bekannten zu verteilen. Sie bat ihre Freunde, die Bälle doch freundlicherweise in den Löchern ihrer Golfplätze liegen zu lassen. So freuten sich völlig unbekannte Golfspieler über die gefundenen Bälle und besuchten auch ihre Website mit Shopfunktion. Einige Freunde bekamen von ihr eine zusammenrollbare Gummi-Schablone. Mit der Schablone konnten sie die URL der Website im Sand Golfbunker branden. Andere Freunde wurden mit bedruckten Luftballons ausgestattet. Auf den Luftballons befanden sich das Logo und die Website. Die Freunde zogen diese Luftballons über die Abschlagsmarkierungen. Kein einziger Golfplatz beschwerte sich. Einige Golflehrer wurden von ihr mit der Kollektion kostenlos ausgestattet. Auf dem Rücken der Shirts stand immer – klein, aber gut lesbar – ihre Website. So lernten die vielen Golfschüler ihre Marke kennen. Die Maßnahmen beanspruchten sehr wenig Budget. Der Absatz über die Website und die Frequenz in ihrem Laden zogen dafür um so mehr an.
Schuhe sind die beste Werbung für Schuhe
Schuhe sind etwas Herrliches, an denen Frauen nicht achtlos vorbeigehen können, sagen Frauen. Dieser Gedanke stand hinter der Idee für eine kleine, aber sehr feine Schuhmarke für Damen. Allerdings kannte sie damals niemand. Doch statt viel Geld in teuere Anzeigen von teuren Fotografen in noch teureren Magazinen zu schalten, warben die Schuhe für sich. An einem Filmfestival mietete sie sich eine Junior-Suite in einem edlen Hotel. Über PR, Bestechung von Hotel-Pagen und einigen Flyern ließ sie verkünden, dass jede Frau, die eine Eintrittskarte zur Preisverleihung des Filmfestivals hat und damit über den roten Teppich darf, sich aus über 2.000 Paar Schuhen an diesem Tag kostenlos bedienen kann. Welche Frau weiß schon im Voraus, welche Schuhe sie zu diesem wichtigen Ereignis trägt? Der Andrang war phänomenal. Ihre Bekanntheit stieg an einem Tag von Null auf Überkochend. Die Begeisterung über ihre Schuhe war grenzenlos. Der Verkauf in ihrem damals einzigen Laden stieg schon am nächsten Tag des Festivals in einem hohen dreistelligen Prozentbetrag. Manchmal wirbt das Produkt für sich am besten mit sich selbst – und einer guten Idee.


